Perfektionisten sterben in Schönheit

Perfektionisten sterben in Schönheit

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit bekam ich die Möglichkeit, mich für ein großes, mehrjähriges Projekt zu bewerben. Dazu musste ich, neben den üblichen Unterlagen, auch ein Fachkonzept erstellen, welches den Aufbau, die Gestaltung und Umsetzung des Projektes beschreiben sollte. Ich bekam zwei Wochen Zeit, um alle Unterlagen einzureichen. «Mehr als genug um das alles PERFEKT auszuarbeiten» dachte ich zumindest ...

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Die Ernüchterung war groß

Ich wollte diesen Auftrag unbedingt haben. Es war genau die Art von Projekt, die ich schon immer umsetzen wollte. Zudem hatte ich alle geforderten Fähigkeiten und Kenntnisse.
Der Druck war groß, denn ich wusste, dass es noch drei weitere Mitbewerber gab. Mein Ziel war es DAS Konzept abzuliefern, eines, dass sich von den Anderen durch seine Innovationskraft und Perfektion unterscheiden sollte.
Nach einer Woche intensiver Arbeit war ich allerdings ernüchtert. Ich hatte noch nichts Greifbares. Ein paar Folien, einige lose Ideen, ein genialer Einstieg, aber vorzeigbar war das alles noch lange nicht. Langsam wuchs der Frust aber auch die Furcht davor, die Unterlagen nicht rechtzeitig fertigstellen zu können.
Das Ende vom Lied war, dass ich am Stichtag meine Unterlagen zwar fertig hatte, diese aber nur mittelmäßig waren. Es fehlte ein roter Faden, gewisse Teile waren zwar gut, andere aber dafür schlecht ausgearbeitet und lückenhaft. Die logische Konsequenz war, dass ich den Auftrag nicht erhalten habe.

Ist Perfektion überhaupt erstrebenswert?

Wie konnte das passieren? Ich hatte doch genug Zeit, ich hatte auch das Wissen und die Fähigkeiten und ich war motiviert ein perfektes Konzept zu erstellen.
Doch genau hier lag das Problem. Perfektionismus klingt zwar im ersten Moment gut und ist, wenn man Statistiken glauben darf, unsere liebste «Charakterschwäche». Wer hat nicht auch schonmal «ich bin manchmal einfach ein wenig zu perfektionistisch» beim Vorstellungs- oder Beurteilungsgespräch angegeben, wenn er nach seinen vermeintlichen Schwächen gefragt wurde? Im oben beschriebenen Fall verhielt es sich allerdings kontraproduktiv. Durch meinen Willen es perfekt machen zu wollen, verlor ich komplett den Fokus. Ich verzettelte mich in Kleinigkeiten, die für ein erfolgreiches Ergebnis gar nicht entscheidend waren.
Es ist sicher eine philosophische Frage, aber gibt es Perfektion überhaupt und wenn ja, ist sie erstrebenswert oder bremst sie uns nicht vielmehr aus und hindert uns daran erfolgreich zu werden?

Drei Regeln für mehr Ergebnisse und weniger Frust

Was habe ich aus meinem «Debakel» damals gelernt? Ich habe viele meiner Handlungsweisen und Denkmuster hinterfragt und habe mich anhand von drei einfachen Regeln selbst zu mehr «Handlungsdisziplin» erzogen.

Die drei Grundregeln, an die ich mich gehalten habe sind


  • Starte lieber unperfekt, bevor Du gar nicht startest!
    So hast Du ein vorzeigbares Ergebnis, welches Du mit der Zeit immer noch anpassen und verbessern kannst (und auch solltest). Für mich verhält es sich wie mit der Einrichtung einer neuen Wohnung. Es wird nie perfekt sein, aber Du brauchst zumindest ein Bett, ein Tisch und ein Schrank um erstmal wohnen zu können. Schön machen kannst Du es dann Schritt für Schritt. Erst mit der Zeit weißt Du, was Du noch möchtest, wo was hingehört und auch was weggelassen werden kann.
  • Setze Dir selbst klare Ziele und definiere, bis wann Du diese erreicht haben möchtest!
    Ich habe mir selbst Termine und Zwischenziele gesetzt, bis wann ich was erledigt haben möchte. Blogbeitrag XY muss bis Samstag fertig sein und dann geht er online. Das Design der Webseite muss bis zum 31.12. stehen, usw.
  • Versuche nicht die Dinge jedes Mal komplett neu zu erfinden!
    Nur die wenigsten von uns sind diese genialen Erfinder, die etwas entwickeln oder entdecken was es so noch nie vorher gegeben hat. Die meisten «neuen» oder «innovativen» Dinge sind Variationen von bereits existierenden Produkten, Dienstleistungen oder Ideen (Skype hat zum Beispiel nicht das Telefonieren und Starbucks nicht den «Coffee-to-go» erfunden).

Alleine anhand dieser drei Punkte kann man schon beurteilen, ob es jemand schafft erfolgreich zu werden oder nicht. Es gibt so viele gute Idee, Vorsätze und Konzepte die eines gemeinsam haben: Sie liegen auf dem Friedhof und wurden zusammen mit den Perfektionisten begraben, die nicht den richtigen Fokus hatten.
Bei der Erstellung meines Blogs habe ich mich, auch wenn es mir manchmal wirklich schwergefallen ist, an die obigen Regeln gehalten.
Ich setzte mir konkrete Ziele und bis wann ich diese erreichen wollte: «die Webseite geht am 01.01. online». Auch wenn das Design bis dahin noch nicht perfekt war, ging die Seite online. Natürlich habe ich danach noch zahlreiche Designänderungen vorgenommen aber ich hatte mein Ziel erreicht und konnte dann darauf aufbauen.
Natürlich habe ich das Design, die Aufteilung und das «Look & Feel» meiner Webseite nicht komplett neu erfunden. Ich habe geschaut, wie es andere machen, was mir gefällt und wie ich das für meine Zwecke adaptieren kann.

Werde ein Macher und verabschiede Dich vom Perfektionisten in Dir

Durch Zufall erfuhr ich, welches Konzept schlussendlich gewonnen hatte. Es war weder revolutionär, noch war es etwas völlig Neues. Es war ein solides, handwerklich einwandfrei beschriebenes und seriös aufbereitetes Konzept (was in keinster Weise abwertend gemeint ist).
Darum hier mein Rat an Dich: Löse Dich vom Gedanken immer alles perfekt machen zu wollen. Perfektion ist auf dem Weg zum Erfolg oft ein Hindernis. Darum sei von heute an kein Perfektionist mehr, sondern ein Macher!

Bist Du ein Perfektionist und wenn ja, wie gehst Du damit um? Schreib es mir in die Kommentare!

About the Author Christian

Christian ist Gründer und Inhaber von Motivation Erfolg. Neben dem Reisen interessiert er sich für Sport und gesunde Ernährung. Wenn er mal nicht arbeitet, trainiert er neue Bodyweight-Übungen oder schnürt seine Laufschuhe.

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