Rhetorische Pause

Ich muss Dich heute etwas Verrücktes fragen:

Kennst Du den Song «The Look» von Roxette?

Falls ja, dann erinnerst Du Dich vielleicht an diese eine Stelle - diese Pause am Ende, bevor es nochmals richtig zur Sache geht.

Ich habe diesen Song damals von der Hitparade auf Kassette aufgenommen. Und selbst der Radiomoderator war so angetan von dieser Pause, dass er sich zu einem «das ist die geilste Stelle» hinreißen ließ.

Das ist die beste rhetorische Pause aller Zeiten

Eine einzige Sekunde Stille und alle hören hin.

Genau das ist die Magie einer guten Pause.

In der Musik, im Film, im Theater und ja, auch in IT-Präsentationen.

Nur 90% aller Präsentationen, die ich erlebe, nutzen sie nicht. Stattdessen wird durchgesprochen, ohne Punkt, ohne Komma. Wie ein Datenstrom, dem niemand mehr folgen kann.

Pausen beim Präsentieren, gerade in der IT

Dabei ist die Pause das einfachste rhetorische Werkzeug, das es gibt. Du brauchst dafür keine Folien, keine Vorbereitung, keine besonderen Skills.

Du musst nur – schweigen.

Drei Sekunden an der richtigen Stelle.

Deine Aufgabe

Nimm Dir Deine nächste Präsentation oder Software-Demo vor (oder wenn keine ansteht: irgendein Gespräch mit einem Kollegen) und plane drei bewusste Pausen ein:

  • Zum Start - Sobald Du vor dem Publikum stehst, schau in die Runde, atme einmal tief durch, schweige drei Sekunden – und erst DANN beginne zu sprechen. Du wirst merken, wie sich die Aufmerksamkeit sofort auf Dich richtet.
  • Nach Deiner wichtigsten Kernaussage - Sage den Satz, der heißen soll, und schweige danach. Lass ihn wirken. Sprich nicht weiter, um die Stille zu überbrücken. Halte sie aus.
  • Vor einer beeindruckenden Zahl - Statt «Wir konnten den Umsatz um 40% steigern» sage «Wir konnten den Umsatz steigern … um 40%.» Die Pause macht aus einer Zahl ein Ereignis.
  • Bonus-Aufgabe - Nimm Dich beim nächsten Mal kurz auf (Sprachmemo am Handy reicht). Hör es Dir danach an. Du wirst überrascht sein, wie selten Du tatsächlich Pausen machst – und wie viel stärker sie wirken, wenn Du sie bewusst einsetzt.

Warum schreibe ich Dir das?

Weil ich es selbst lange falsch gemacht habe.

Ich dachte früher, ich müsste durchsprechen, um kompetent zu wirken. Bloss keine Stille entstehen lassen. Bloss kein Vakuum.

Das Gegenteil ist der Fall. Wer Pausen aushält, signalisiert Souveränität. Wer keine macht, wirkt nervös und getätigt.

Die gute Nachricht: Es ist eine der Sachen, die Du schnell lernen kannst. Bewusstsein drüber – ein paar Versuche – fertig.

Wie hat sich Dein erstes Pausen-Experiment angefühlt?

Schreibe es mir gerne in die Kommentare!


Christian Unterschrift

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