6. März 2022

Ich bin traurig – Tabuthema mentale Gesundheit

Für mich war dieser Job eine Chance, auf die ich lange hingearbeitet hatte. Als ich die Zusage erhielt, war das ein persönlicher Triumph. In den ersten Wochen ging ich wie auf Wolken bis zu dem Tag, als wir uns alle im Konferenzraum versammeln sollten. Kurz und knapp wurde die Schließung der Filiale München und somit der Verlust sämtlicher Arbeitsplätze verkündet.

In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen. Ich bin auf die Toilette und habe hemmungslos geweint.

Mit diesem Beitrag möchte ich Dir zeigen, dass wir alle mit Ängsten, Enttäuschungen und Selbstzweifeln konfrontiert sind und ich möchte Dich ermutigen offen über das Thema mentale Gesundheit zu sprechen.

Mentale Gesundheit? Leider immer noch ein Tabuthema

Nach meiner Ausbildung wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, für ein halbes Jahr in der Zweigstelle Genf zu arbeiten. Ohne zu wissen, was genau auf mich zukam, habe ich «Ja gesagt». Je näher der Termin kam, umso größer wurden meine Selbstzweifel und Ängste. Als ich dann tatsächlich in den Zug stieg, um nach Genf zu fahren, fühlte ich mich so überfordert, dass ich körperliche Symptome hatte, ja, mich sogar übergeben musste.

Ich war in meinem beruflichen wie privaten Leben schon oft traurig. Ich habe auch schon oft geweint, fühlte mich überfordert oder einfach nur allein. So als ob jeder Schritt zu viel und selbst die kleinsten Aufgaben zu unüberwindbaren Hindernissen werden.

Das Problem ist, dass es Erwartungen gibt, die wir meinen, erfüllen zu müssen und dass wir diese viel zu wenig hinterfragen. «Männer weinen nicht» oder «Keine Schwäche zeigen» sind nur einige verstaubte Ansichten, die unser Denken und Handeln leider noch heute beeinflussen. Zusätzlich sehen wir auf sozialen Medien fast ausschließlich erfolgreiche Menschen und ihre Karrieren, welche mit der Realität oft wenig, bis gar nichts zu tun haben. Die ganzen sozialen Netzwerke vermitteln leider oft den Eindruck «Nur wer erfolgreich ist, ist auch etwas wert», was schnell zu negativen Gedanken und Selbstzweifel führen kann und somit Auswirkung auf unsere mentale Gesundheit hat.

Lass uns darüber sprechen

Gemäß Statistischem Bundesamt starben im Jahr 2020 allein in Deutschland täglich 25 Menschen durch Suizid. Diese Zahl hat mich erschüttert. Wir müssen mehr über unsere mentale Gesundheit sprechen und aufhören, dieses Thema zu tabuisieren.

Nehme ich die Dienste eines Personal Trainers in Anspruch, wenn ich körperliche Probleme habe, ist das ein ganz normaler Vorgang. Gehe ich zum Psychologen, weil ich psychische Probleme habe, gilt das oft als Stigmata und etwas, über das besser nicht gesprochen wird. Hat jemand im Kollegen- oder Bekanntenkreis ein Burnout, wird oft nur unter vorgehaltener Hand und ohne großen Respekt darüber gesprochen, wenn nicht sogar «getratscht».

Mentale Gesundheit sollte uns genauso wichtig sein, wie körperliche und wir sollten endlich anfangen offen darüber zu sprechen.

So gehe ich mit negativen Gedanken und Gefühlen um

Vorab ein wichtiger Hinweis: Solltest Du langanhaltende Niedergeschlagenheit oder negative Gedanken haben, helfen auch die unten beschriebenen Tipps nicht weiter. Bitte hol Dir in solchen Momenten professionelle Hilfe.

Folgende drei Vorgehensweisen haben sich für mich über die Jahre bewährt:

Schreibe Deine Gedanken, Gefühle und Ängste auf

Es handelt sich dabei um eine Art «Müllabfuhr» für all Deine negativen Gedanken und Gefühle. Durch das Niederschreiben entwickelst Du automatisch eine gewisse Distanz zu ihnen und Dein Kopf wird vom ganzen Ballast «befreit». Am besten machst Du das in regelmäßigen Abständen oder wann immer Du das Bedürfnis danach hast.

Führe ein «Erfolgstagebuch»

Tipp Nummer zwei geht in eine ähnliche Richtung. Auch hier geht es darum, Dinge aufzuschreiben.

Bereits am ersten Tag, an dem ich meinen Blog aus der Taufe hob, habe ich angefangen ein Erfolgstagebuch zu führen. Ich habe mir notiert, welche Herausforderungen ich hatte und was ich mir als nächsten Schritt vornehmen werde.

Wann immer ich in der Folge einen schwierigen Moment hatte, an dem meine Motivation an einem Tiefpunkt war, nahm ich mein Erfolgstagebuch zur Hand. Als ich sah, was für Herausforderungen ich zum Beispiel vor einem halben Jahr hatte und wo ich inzwischen stand, war das Balsam für meine Seele.

Sprich über Deine mentale Gesundheit

Für viele dürfte das der schwierigste Schritt sein und ich kann das wirklich nachvollziehen. Sich jemanden anzuvertrauen und seine verletzliche Seite zu zeigen, kann einschüchternd sein und setzt eine Menge Vertrauen voraus.

Ich selbst bin ein sehr kommunikativer und offener Typ. Aus diesem Grund gehen viele Menschen in meinem Umfeld davon aus, dass ich so gut wie keine Selbstzweifel und Ängste kenne. Das ist Blödsinn. Auch mir tut es gut, darüber zu sprechen. In so einer Situation erwarte ich also gar nicht, dass ich einen «guten Rat» erhalte. Alles, was ich will, ist die ungeteilte Aufmerksamkeit meines Gegenübers. Sollte sich Dir also jemand anvertrauen, dann sei einfach «Zuhörer und versuche nicht «Problemlöser» zu sein.

Mir ist wichtig nochmals zu betonen, dass es sich hierbei ausschließlich um meine persönlichen Strategien und Vorgehensweisen handelt. Bitte sei Dir bewusst, dass diese niemals professionelle Hilfe ersetzen können.

Ja, ich weine

Leider sprechen wir noch immer viel zu wenig über unsere mentale Gesundheit. Dabei betrifft das Thema jeden in unserer Gesellschaft. Fangen wir also noch heute an, das zu thematisieren und gestehen uns selbst auch negative Gefühle, Ängste, Lethargie und Überforderung zu. Seien wir auf der anderen Seite aber auch offen und empathisch unseren Mitmenschen gegenüber und seien wir da, wenn sie unsere ungeteilte Aufmerksamkeit brauchen.

Zusammenfassend hier also nochmals meine drei Vorgehensweisen, die mir geholfen haben, besser mit meinen Ängsten und Selbstzweifeln umzugehen:

  • Schreibe Deine Gedanken, Gefühle und Ängste auf
  • Führe ein «Erfolgstagebuch»
  • Sprich über Deine mentale Gesundheit

Bleib Dir selbst treu, steh zu Deinen Gefühlen und wenn Dir nach weinen zumute ist, dann weine, es ist in Ordnung - Ich weine auch.

Dein

Christian Unterschrift

Wie gehst Du mit negativen Gedanken, Ängsten und Unsicherheiten um und welche Rolle spielt für Dich das Thema «mentale Gesundheit»? Gerne darfst Du mir Deine Erfahrungen und Meinung unten in die Kommentare schreiben oder diesen Artikel mit Menschen teilen, die das Thema ebenfalls betrifft oder interessiert.

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