1. Juni 2020

Perfektionisten sterben in Schönheit

«Es ist ein Fehler keine Fehler zu machen». Dieser Satz löste Gänsehaut bei mir aus, denn ich war ein krankhafter Perfektionist.

Heute möchte ich Dir zeigen, dass Perfektionismus weder gut noch schlecht ist und ich werde Dir erklären, wie Du aus der «Perfektionismus-Spirale» ausbrechen kannst.

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich mich für ein großes Projekt beworben. Dafür musste ich ein Fachkonzept erstellen, welches meine Vision beschreiben sollte. Ich bekam zwei Wochen Zeit dafür.

Warum das in einem Fiasko endete und was ich daraus gelernt habe, erfährst Du in diesem Beitrag.

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Die Ernüchterung war groß

Ich wollte diesen Auftrag unbedingt. Das Thema war spannend, das Projekt sollte mindestens zwei Jahre laufen und ich hatte alle geforderten Fähigkeiten und Kenntnisse.

Der Druck war groß, denn ich wusste, dass es noch drei weitere Mitbewerber gab. Mein Ziel war es, das beste Konzept abzuliefern, eines, dass sich von den Anderen durch seine Innovationskraft und Perfektion abheben sollte.

Nach einer Woche intensiver Arbeit war ich allerdings ernüchtert. Ich hatte noch nichts Greifbares. Ein paar PowerPoint-Folien, einige lose Ideen, ein genialer Einstieg, aber vorzeigbar war das alles noch lange nicht. Langsam wuchs der Frust, aber auch die Furcht davor, alles nicht rechtzeitig fertigstellen zu können.

Das Ende vom Lied war, dass ich zum Stichtag meine Unterlagen zwar einreichen konnte, die Qualität aber nur mittelmäßig war. Es fehlte ein roter Faden, gewisse Teile waren gut, andere dafür aber schlecht ausgearbeitet und lückenhaft. Die logische Konsequenz war, dass ich den Auftrag nicht erhalten habe.

Gefangen als Perfektionisten

Wie konnte das nur passieren? Ich hatte doch genug Zeit, das Wissen, die Fähigkeiten und die Motivation um ein wirklich PERFEKTES Konzept abzuliefern. Mein Anspruch an mich und meine Arbeit war einfach unrealistisch hoch. Dadurch war ich nicht in der Lage meine Arbeit vernünftig abzuschließen.

Wichtig ist mir festzuhalten, dass der Wunsch nach hoher Qualität und Perfektion nicht per se schlecht ist. Ich denke, man muss das Thema einfach ein wenig differenzierter betrachten. In meinen Augen gibt es sowas wie gute und schlechte Perfektion.

Gute gegen schlechte Perfektionismus

In meinem Fall kann man ganz klar von schlechte Perfektion sprechen.

Das Problem, warum wir uns so undifferenziert mit diesem Thema auseinandersetzen ist, dass Perfektionismus im ersten Moment gut klingt. Wenn man Statistiken glauben darf, ist sie eine unserer liebsten «Charakterschwächen». Perfektionisten gelten generell als engagiert, verlässlich und ehrgeizig. Wer hat nicht auch schonmal «ich bin manchmal einfach ein wenig zu perfektionistisch» beim Vorstellungs- oder Beurteilungsgespräch angegeben, wenn er nach seinen vermeintlichen Schwächen gefragt wurde

Übertriebener bzw. schlechter Perfektionismus ließ mich jedoch ineffektiv und unproduktiv werden. Durch den Willen es perfekt machen zu wollen, verlor ich komplett den Fokus und baute unnötig zusätzlichen Druck auf. Ich war gefangen in einer Abwärtsspirale aus zu hohem Anspruch, Scheitern und Frust. Ich war in dieser Perfektionismus-Falle, die mich daran hinderte, ein vernünftiges Ergebnis abzuliefern.

Perfektionismus-Spirale

Mehr Ergebnisse und weniger Frust

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso klarer sehe ich, was ich in der Vergangenheit alles falsch gemacht habe. Ich habe viele meiner Handlungsweisen und Denkmuster hinterfragt und mich anhand von drei einfachen Regeln selbst zu mehr «Handlungsdisziplin» erzogen:

1.

Behalte das große Ganze im Auge

Mein Problem war, dass ich schon nach kurzer Zeit komplett den Fokus verloren hatte und mich fast nur noch mit Kleinigkeiten beschäftigte. Ich habe schlicht und einfach vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen.

Für mich verhält es sich wie mit der Einrichtung einer neuen Wohnung. Es wird nie perfekt sein, aber Du brauchst zumindest ein Bett, ein Tisch und ein Schrank um erstmal einziehen zu können. Schön machen kannst Du es dann Schritt für Schritt. Außerdem weißt Du erst mit der Zeit, was Dir alles gefällt, wo was hingehört und auch, was weggelassen werden kann. Etwas zu schaffen, auch wenn es noch nicht perfekt ist, gibt Dir ein gutes Gefühl und motiviert Dich weiter dranzubleiben.

2.

Setze Dir realistische Ziele

Das Streben nach Perfektion ist anstrengend und frustrierend, wenn man sich selbst unrealistische Ziele setzt.

Aus diesem Grund versuche ich mir bewusst nur realistische Ziele und vor allem Termine zu setzen. «Der neue Artikel muss bis Samstag fertig sein und wird dann veröffentlicht». Diese Ziele habe ich mir dann in meinen Kalender eingetragen, sie also schriftlich fixiert. Dadurch wurden sie transparent, verbindlich und planbar.

3.

Lieber gut adaptiert, als schlecht selbst gemacht

Leider sind nur die wenigsten von uns geniale Erfinder, die etwas entwickeln oder entdecken, was es so vorher noch nie gegeben hat. Die meisten neuen oder innovativen Dinge sind Variationen bereits existierender Produkte, Dienstleistungen oder Ideen. Skype hat zum Beispiel nicht das Telefonieren und Starbucks auch nicht den «Coffee-to-go» erfunden. Einfach ausgedrückt heißt dass, diese Ideen wurden übernommen und dann variiert und genau das solltest Du auch tun.

Versuch Dir das so oft wie möglich vor Augen zu führen. Dies nimmt Dir eine Menge Druck und lässt Dich sofort produktiver werden. In diesem Zusammenhang empfehle ich Dir auch meinen Artikel «3 einfache Wege Deine Kreativität zu fördern» der sich noch detaillierter mit diesem Thema und dem Prozess dahinter auseinandersetzt.

Es gibt so viele gute Ideen, Ansätze und Konzepte, die leider alles eines gemeinsam haben: Sie liegen auf dem Friedhof und wurden zusammen mit den Perfektionisten begraben, die nicht den richtigen Fokus hatten und darum gescheitert sind.

Verabschiede Dich vom Perfektionisten

Grundsätzlich, und hier wiederhole ich mich bewusst, ist das streben nach hoher Qualität und Perfektion eine gute Sache. Natürlich geht es nicht darum halbe Sachen zu machen, aber durch unrealistische Vorstellungen und dem damit verbundenen «scheitern» kommt uns die Zufriedenheit abhanden und das kann langfristig fatale Folgen haben. Darum hier meine drei Empfehlungen für einen insgesamt entspannteren Umgang mit Deinen Ansprüchen:

  • Behalte das große Ganze im Auge
  • Setze Dir realistische Ziele
  • Lieber gut adaptiert, als schlecht selbst gemacht

Durch diese drei Regeln wurde ich deutlicher produktiver und schlussendlich auch entspannter. Natürlich war ich mit dem Ergebnis nicht immer zu 100% zufrieden. Genau diese «Unzufriedenheit» war und ist es, die mich antreibt Dinge ständig weiter zu verbessern und das ist es, was positiver Perfektionismus für mich ist. Leidenschaft und Einsatz im Job sind und bleiben die Grundlage für Erfolg.

«Welches Konzept hat denn am Ende gewonnen?», fragst Du Dich jetzt sicher noch? Nun, das Sieger-Konzept war weder revolutionär, noch war es etwas völlig Neues. Es war ein solides, handwerklich einwandfrei beschriebenes Konzept. Was in diesem Kontext als großes Kompliment und in keinster Weise abwertend gemeint ist.

Perfektionisten versuchen in erster Linie Fehler zu vermeiden, dabei ist ein Irrtum in der Regel nichts Schlechtes. Du solltest an diesen wachsen und Dir selbst genug Raum geben, um Dich entwickeln zu können.

Darum hier mein Rat an Dich: Löse Dich vom Gedanken immer alles gleich perfekt machen zu wollen. Der Wunsch nach absoluter Perfektion ist auf dem Weg zum Erfolg oft ein Hindernis und kann zu unnötigem Druck und Frustration führen und das ist immer kontraproduktiv. Viele weitere spannende Beiträge zu diesem und ähnlichen Themen findest Du hier.

Bist Du ein Perfektionist und wenn ja, wie gehst Du damit um? Ich bin gespannt auf Deine Meinung, also schreib mir gleich einen Kommentar oder teile den Post mit Freunden und Kollegen, die das Thema ebenfalls interessiert!

Christian Unterschrift

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Über den Autor

Christian ist Gründer und Inhaber von Motivation Erfolg. Neben dem Reisen interessiert er sich für Sport und gesunde Ernährung. Wenn er mal nicht arbeitet, trainiert er neue Bodyweight-Übungen oder schnürt seine Laufschuhe.

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